Ich lernte Lena und Ulli auf ihrer Promotour in Hamburg kennen, als sie ihre Idee vom Film im Saltwatershop präsentierten. Kurze Zeit später, wie es der Zufall so will, retteten sie mich aus meiner kleinen misslichen Lage…

Ich war in Wilhemsburg unterwegs. Ich verpasste die letzte Bahn. Ich verlief mich. Da stand ich draußen in der Kälte und überlegte mir schon einen Überlebensplan. Da kamen die beiden zufällig in ihrem Bus an mir vorbei gerauscht, sammelten mich ein und fuhren mich auf die andere Elbseite Heim. Die Fahrt war mit schönen, inhaltsvollen Gesprächen gefüllt. Wir merkten schnell, dass uns das Thema Reisen verbindet und so schmetterten die Wörter nur so umher, jeder hatte etwas zu sagen. Ich habe noch lange an dieses Zusammentreffen gedacht.

Der Kontakt blieb seitdem bestehen und ich bin beeindruckt, was Lena und Ulli seitdem auf die Beine gestellt haben. Ab 14. März kommt ihr Film „REISS AUS – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum“ in die Kinos. Wer kann schon von sich behaupten, seinen eignen Film auf  Deutschlands Leinwänden zu sehen? Das ist ja nun nicht Alltag. Aber das passt zu den beiden. Ich denke, wenn alle zu den beiden sagen, dass was die da vorhaben, geht nicht, dann packen sie einfach an, machen und zeigen allen, dass es klappt! Wie mit ihrer Reise. Die dann aber doch anders und wohl besser lief als geplant:

Lena und Ulli wollten sich ein halbes Jahr Auszeit nehmen. Der Plan: von Hamburg nach Südafrika. Dort kommen sie aber nie an. Stattdessen rollen sie in ihrem alten Land Rover Terés und dem knapp 40 Jahre alten Dachzelt, das sie von Ullis Patentante geschenkt bekommen haben insgesamt knapp zwei Jahre durch Westafrika. Sie brachten ihre gesammelten Erinnerungen auf Videomaterial und Fotos mit, die sie nun mit uns in ihrem Film teilen.

„Dieser Film ist für die, die gerne reisen, für die, die nicht reisen können, für die, die bereits in den Startlöchern stehen und für die, die von ihren „Abers“ noch zurückgehalten werden“

– Lena und Ulli
Zwei Jahre auf zwei Quadratmetern: Ulrich Stirnat und Lena Wendt.

Lena und Ulli haben mir ein paar Fragen beantwortet:

Warum reist ihr?
Lena: Für mich war Reisen mein Leben lang immer der Notausgang. Die Flucht vor dem Alltag. Nur noch bis dahin durchhalten und dann bin ich ja erstmal weg und kann durchatmen. Meist bin ich in Länder gereist, von denen ich mir nicht vorstellen konnte, dass da sonst noch groß wer anders hinfährt, wie Ruanda, Dschibuti…
Meist irgendwo nach Afrika und das allein mit meinem Rucksack. Ich habe das Abenteuer, die Herausforderung, das Unbekannte gesucht. Was ich zu Hause nicht mehr genug bekommen habe. Ich habe mich nie vorab über die Länder informiert um vor Ort alles auf mich wirken zu lassen, mich drauf einzulassen, mein eigenes Gefühl und Bild zu entwickeln. Dieses, mit allen Sinnen im Jetzt sein, im Gefühl, das über mich hinaus wachsen, meine Ängste an die Hand nehmen und weitergehen, hat es mir angetan. Das war lange wie ein Rausch den ich brauchte, weil ich mich im Alltag oft tot, leer, im Strudel von, Arbeit, to-do Listen, Pflichten, allen Gerecht werden und wenn nicht Schuldgefühlen befunden habe. Und gerade Reisen auf den afrikanischen Kontinent gibt mir das Gefühl nach Hause zu kommen. Angekommen zu sein. Durchzuatmen, ganz zu sein. Das habe ich nirgendwo anders.
Diese knapp zwei Jahre Reise haben einiges in meiner Einstellung zum Leben verändert. Ich muss nicht mehr „weg“ um glücklich und bei mir zu sein. Aber ich brauche weiterhin regelmäßig Afrika weil mein Herz dort aufgeht. Weil ich barfuß sein kann, den ganzen Tag draußen, wild, im Einklang mit der Natur leben kann und meist die Sonne scheint.

Ulli: Ich war früher nicht ganz so viel unterwegs wie Lena. Vor allem nicht in dem Sinne Reisen, Rucksack packen und los. Ich reise nun mittlerweile vor allem, um neue Dinge zu erleben, neue Erfahrungen zu machen und meinen Horizont zu erweitern. Denn vor unserem Trip war ich vielfach geprägt von Ängsten und Vorurteilen, die ich über die Medien und meine Umgebung aufgesaugt habe. Erst die Erfahrung hat Veränderung gebracht, nun suche ich sie ganz gezielt.


Hat euch das Reisen verändert? Seid ihr gelassener geworden, befreiter, glücklicher?
Lena: Auf jeden Fall. Jedes Mal, wenn ich in der Scheiße sitze, weiß ich, alles wird immer gut. Das ist die vielleicht wichtigste Erfahrung die ich beim Reisen gemacht habe. Die goldene Regel auf die ich mich immer verlassen kann. Also atme ich einfach tief durch, anstatt panisch zu werden und sage mir : „Passt schon, wer weiß wozu das gut ist.“

Ulli: Ich bin definitiv gelassener geworden. Ich bin der Typ Mensch, der sich früher – aber auch immer noch ein wenig – im Voraus Gedanken macht. Plant. Überlegt. Vorbereitet sein will. Auf alle Eventualitäten. Die Reise Praxis hat mich dann häufig an oder über meine Grenzen hinaus gebracht, weil so vieles einfach unbestimmt ist. Nicht zu planen. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, einfach mal tief durchzuatmen und Dinge auf sich zukommen zu lassen. Lena sagt es so schön: Am Ende wird immer alles gut.

Ich lerne öfters Menschen kennen, die nicht gerne reisen. Da steckt manchmal eine finanzielle Angst dahinter oder das sie aus dem geregelten Alltag ausbrechen müssen. Beides ist doch recht simpel zu lösen. Reisen muss nicht teuer sein und mich reizt gerade das Unbekannte. In der heutigen Zeit ist Reisen so leicht geworden. Was meint ihr, woran liegt es? Oder sind es bestimmte Charaktere, die sich davor sträuben?
Lena: Ich glaube nicht das jeder Mensch die gleichen Gründe hat nicht zu Reisen. Genauso wenig wie nicht jeder die gleichen Gründe hat zu Reisen. Und das ist doch toll, das wir nicht alle den gleichen Traum haben. Das wäre ja schlimm 🙂 Vor allem für unsere Umwelt. Denn ich bin mir ziemlich sicher wir würden sicher nicht alle zu Fuß gehen. Aber ich bin mir sicher jeder von uns hat einen Traum und den zu verfolgen ohne mich von meiner Angst aufhalten zu lassen, das ist stark Und irgendwie ja auch eine Reise. Und wenn ich dazu nicht bereit bin, ist es vielleicht auch einfach nicht mein Traum.

Was wollt ihr mit eurem Film „REISS AUS – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum“ vermitteln?
Der Film zeigt Reisen ist nicht die Lösung aller Probleme. Aber es hilft mal mit Abstand auf mein Leben zu schauen. Den eigenen Status Quo einmal in Frage zu stellen. Zu schauen bin ich das eigentlich noch was ich hier lebe? Will ich das? Wir wollen Mut machen den eigenen Traum anzugehen, egal was das ist. Die eigenen Ängste an die Hand zu nehmen und los zu laufen. Außerdem wollen wir Westafrika mit diesem Film Danke sagen! Unser größter Wunsch: dass er uns alle ein bisschen mehr zusammen rücken lässt.

Was war die größte Herausforderung bei diesem Projekt?
Lena: Schon wieder 24/7 aufeinander hocken.

Ulli: Haha, ja auf jeden Fall, das auch. Aber auch die vielen Unbekannten, das völlige Neuland auf dem ich bin mich mit allem, was ich getan habe, bewegt habe. Und gleichzeitig war das auch das Schönste. Das Unbekannte, die Herausforderung, auch mal auf die Schnauze fliegen, lernen, weitermachen.

Was sind eure nächsten Pläne?
Wir machen keine Pläne mehr. Wir gucken was kommt und gehen Schritt für Schritt in die Richtung die sich gut anfühlt.

Wann gehts wieder auf Reisen?

Lena: Ich komme gerade aus Marokko, der Schweiz und Elfenbeinküste. Weil wir ab jetzt hier in Deutschland auf die Reise gehen. In einem geliehenen Land Rover, mit unserem Film. Na und sobald eine Pause ist, geht’s für mich auf jeden Fall irgendwo nach Afrika.

Ulli: She said it. Wir sind gerade auf der Reise. Was Die Zukunft bringt.. Mal sehen. Ich war ja nun noch nicht in Südafrika.. 😉

Ab 14. März 2019 ist der Film „REISS AUS – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum“ im Kino zu sehen. Auf ihrer Tour stellen Lena und Ulli ihren Film persönlich vor. Termine gibts unter www.reissausderfilm.de/kinotour/