Ich berichtete bereits, warum Reisen wichtig ist. Nun bringe ich euch meine Gedanken näher, wie mich das Reisen verändert. Warum bin ich früher nie viel gereist? Ich dachte, Reisen ist teuer, ich hatte früh einiges zu stemmen. Aber in Wahrheit fehlte mir der nötige Ruck. Eine Reise muss nicht gleich den Geldbeutel sprengen. Eine Kurzreise übers Wochenende tut es auch. Durch tief greifende Erfahrungen habe ich mein Leben umgekrempelt. Wenn du einen Menschen verlierst, der dir sehr nahe steht, überdenkst du dein Leben. Ich habe mich selbstständig gemacht und reise nun beruflich auch viel.

Man muss sich bewusst machen, dass man die Welt nicht so wahrnehmen muss, wie sie einem beigebracht wurde. Es gibt so viel mehr. Hier sind meine Veränderungen und Erfahrungen:

Vergleichst du dich mit dem Erlebten, kann dich das glücklicher machen

Ich schätze das, was ich habe nun mehr. Was zuvor eine Selbstverständlichkeit war, ist nun mein persönliches Glück. Ich habe gute Freunde, eine Wohnung, ein Bett, fließend Wasser, vollgestopfte Supermärkte an jeder Ecke, ich habe mich vor gut 4,5 Jahren selbstständig gemacht und bin frei in dem was ich mache und wie ich es mache. Auf den Reisen werde ich daran immer wieder erinnert.

Negative Erfahrungen verabschieden

Auf Reisen habe ich gelernt, mich von schlechten Erinnerungen zu verabschieden und die Sache einfach sein zu lassen. Denn es bringt meinem Geist und meinen Gefühlen nichts, den Dingen weitere Beachtung zu schenken. Und wie man so schön sagt: Was mich nicht umbringt, hat mich gestärkt. Ein abgenutzter Satz, mit viel Wahrheit.

Ich habe mich selber besser kennen gelernt

Wenn ich mein Zuhause verlasse und auf Reisen gehe, entdecke ich Neues, ich lerne meinen eigenen Rhythmus kennen stecke meine Grenzen ab. Geht man an seine Grenzen, stärkt es das Selbstbewusstsein.

Ich befreie mich von Dingen

Ich war früher oft von materiellen Dingen glücklich. Mein Kleiderschrank war überfüllt von Klamotten, die ich noch nie getragen habe. Ich stehe heute auch noch auf Mode, aber ich kaufe nun bewusster ein und weniger. Überlege mir genau, ob ich das nun wirklich brauche. Ich habe viel gespendet, verkauft und verschenkt. Auf Reisen zählen keine materiellen Dinge, was zählt, sind die Momente die man erlebt. Meine Wohnung kam mir früher zu klein vor, nun bin ich dankbar für diesen kleinen Schatz.

Auf Gili Trawangan gibt es eine Meile mit schicken Cafés und Bars. Die Leute liegen am Strand, tauchen hinab zu den Korallen im Meer. Es reihen sich Hotels aneinander. Abends sind die Bars gefüllt. Blickt man aber dahinter, es sind nur ein paar Schritte hinter der Meile, kommt man zu Wellblechhütten mit Pappen als Wände. Hier leben die Mitarbeiter der Hotels und Shops. Ein Hotelmitarbeiter sagte mir, dass es diesen Menschen sehr gut ginge. Sie haben ein Zuhause, verdienen ihr Geld. Auch seitdem hat sich mein Blick verändert.

Ich bin gelassener geworden

Riesenspinnen in der Dusche, Kakerlaken auf dem Teller, Ameisen in der Tasche, Hirschkäfer die gegen meinen Kopf fliegen. Ich hatte das alle und noch viel mehr. Das ist nicht immer schön, aber Zuhause kommt einem der herumwirbelnde Schuster plötzlich dann doch ganz harmlos vor.

Ich bin geduldiger geworden

Früher habe ich mich im Supermarkt innerlich sehr geärgert, wenn ich mal wieder die langsamste Schlange erwischt habe. Und heute? Ich schmunzel über die gestressten Deutschen, die ein nervliches Drama genau hier in der Schlange erleben.

Ein gutes Beispiel ist auch der Straßenverkehr auf Bali. Verkehrsregeln sind hier vollkommen überbewertet. Vorfahrt hat, wer zuerst hupt. Hupen ist ein Zeichen dafür, dass man da ist. Man benutzt es beim Überholen, scharfen Kurven. Fährt man nur geradeaus, tätigt man die Lichthupe. Mein Fahrer und ich hatten einen witzigen Austausch darüber. Als ich ihm erzählte, das man in Deutschland hupt, um sein Ärgernis zu äußern- dazu gern ein grimmiges Gesicht, hat er sich sehr darüber amüsiert.

Umwege gehen, kann spannend sein

Ich habe noch eine Bali-Anekdote, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
Da ging ich eins abends in die Deus Bar in Canggu. Ich verlor meine Gruppe. Ich fand eine neue Gruppe. Fuhr mit einen der Jungs und seinem Roller über die Insel. Der Roller ging aus. Der Schlüssel brach ab. Wir trampten. Lernten eine Fotografengruppe kennen, die gerade ein Modeshooting auf der Insel hatten. Zwischen ihrem Equipment fuhren wir durch die Nacht. Ich übernachtet in einer WG und wurde am nächsten Morgen zurück in mein Surfcamp gefahren, vollgepackt mit lustigen Erinnerungen an diese Nacht.

Wichtige Menschen in meinem Leben

Ich arbeite viel, ich reise viel, meine Freunde bekommen Kinder, ziehen weg oder sind auch beruflich gut beschäftigt. Man hat immer weniger Kontakt. Lebt sich oft auseinander. Ich lerne täglich neue Menschen kennen. Das sind aber meist oberflächlige Bekanntschaften. Wichtig sind die guten, alten Freunde. Freunde die für mich da sind, auch wenn ich oft weg bin. Durch den immer weniger gewordenen Kontakt, erkennt man ganz klar wer dein wahrer Freund ist und ich bin sehr froh über diese tollen Menschen in meinem Leben.

Ich habe neue Fähigkeiten

Mein Englisch ist besser geworden. Mein versteht nun auch meine Witze.

Ich weiß, wie man einigermaßen gut verhandelt. Und wenn man nicht gut verhandelt hat und das Gekaufte in eine rote Tüte gepackt wird, ist es auf den indonesichen Märkten ein Zeichen dafür, das dein Geldbeutel voll ist und alle Verkäufer sich auf dich stürzen…

Ich weiß nun, was ich in meinem Leben möchte

Ich möchte mich selbst verwirklichen und ich bin auf dem besten Weg dahin.
Natürlich verfällt man gerne in seine Tagesroutine daheim zurück. Aber wie ein Freund letztens zu mir sagte: Es geht um bewußtes Erleben. Nicht zwingend mehr.

Wie mich das Reisen noch verändert:

  • Reisen hat meinen Horizont erweitert,
  • mein Herz geöffnet,
  • mich mutiger gemacht.
  • Reisen inspiriert mich.
  • Meine Sehnsucht nach der Ferne wird etwas gestillt.
  • Neue Erfahrung beleben meinen Geist und prägen mich nachhaltig.
  • Ich verbringe Zeit mit mir.
  • Ich gehe meinen Interessen nach.
  • Ich bin gelassener geworden und selbstbewusster.
  • Ich bin dankbar für das, was ich habe.
Wie hat euch das Reisen verändert? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.